Robert Wilde

Die Arbeit ist am Beginn der Corona-Pandemie Anfang Februar, kurz nach der Schließung der „Webasto“-Zentrale bei München, am Bahnhof Zoo in Berlin entstanden.

Sie fußt auf zahlreichen Fragen, mit denen ich mich seit längerem auf persönlicher und künstlerisch/photographischer Ebene befasse – und die durch die Ereignisse wieder stärker an die Oberfläche drangen:

Interagieren wir immer öfter und immer mehr (lieber) mit Maschinen als mit Menschen? Und wenn ja: Was macht das mit uns? 

Macht uns die Interaktion mit Maschinen im öffentlichen Raum von „public men“ (im Sinne des Soziologen Richard Sennett) zu „private persons“?
 

Prefering the Machine

2020

Diese Fragen kamen mir – wieder - in den Sinn, als ich in einem FastFood-Restaurant saß und die Menschen beobachtete, die an Maschinen ihre Bestellungen aufgaben, obwohl nur wenige Meter entfernt davon menschliche Angestellte hinter ihrem Tresen auf deren Bestellungen warteten.

Daraus ergaben sich in der konkreten Beobachtung zwei Kern-Fragen: Was ist der Vorteil der Maschine? Vor allem aber: Wie unterscheidet sich die Interaktion zwischen Mensch-Mensch und Mensch-Maschine voneinander? Und zwar nicht auf verbaler Ebene – sondern auf der Ebene des Verhaltens, der Körpersprache und der Mimik?

Prefering the Machine

2020

Nach der Einwilligung des Restaurant-Managers photographieren zu dürfen, bin ich eine Woche später zur gleichen Zeit zurückgekehrt, habe zwei Stunden in der Nähe der Maschinen verbracht und die Menschen gebeten, sie bei ihrer Bestellung photographieren zu dürfen.

Die vorliegenden Bilder sind das (erste) Ergebnis dieser Auseinandersetzung. In ihnen sind all diese Fragen nicht beantwortet – aber vereint.

Inwieweit sich der Kontext, in dem diese Bilder entstanden sind, verändert hat, lässt sich erst in einer Rückschau auf die Krise beantworten. Meine Hoffnung ist, dass wir durch die Krise, durch die vorgeschriebene „soziale Distanz“, wieder merken, wie sehr wir „Körper“ sind, wie sehr wir menschliche Interaktion brauchen.

Prefering the Machine

2020

Meine Hoffnung ist, dass die fortschreitende Digitalisierung insgesamt dazu führt: Zu begreifen, dass unsere Unvollkommenheit, dass unsere Verletzlichkeit, Stärken und keine Schwächen sind. Dass wir unser Glück nicht im Digitalen finden werden - wenn wir „Mensch“ bleiben wollen. Es könnte aber auch genau das Gegenteil passieren: Eine zunehmende „Entkörperlichung“. Dann allerdings müssten wir einen neuen Namen finden für die Spezies „Mensch“.

Prefering the Machine

2020

Robert Wilde

(*1969 in Wien) ist ein österreichischer Regisseur und Photograph, der seit 1997 in Berlin lebt. Nach seiner Arbeit beim Kinderprogramm des ORF in Wien realisierte er Musikvideos in Berlin. Auszeichnungen als „Bester Newcomer“, beim Kurzfilmfestival Oberhausen („Suicide Commando“ von DJ Hell) und eine Nominierung beim Pornfilmfestival Berlin waren die Folge. Im Anschluss arbeitete er als Regisseur für zahlreiche Fernsehproduktionen (u.A. „Mein neuer Freund“) und realisierte einen Kinofilm („Jonas“, mit Christian Ulmen). 2014 rief er seine eigene Radiosendung „Atopia“ beim partizipativen Bürgersender ALEX Berlin ins Leben, in der er mit Freunden über gesellschaftspolitische Themen diskutiert. 2016 führte er zum ersten Mal Co-Regie am Theater („Wrestling Rita“, Theater zum Fürchten, Wien). Im selben Jahr entdeckte er, spät aber doch - und motiviert durch seinen Bruder - die Photographie. Im April 2017 resultierte daraus eine erste Ausstellung seiner „Aufwach“-Serie „Auf, auf ihr Hasen...“ und die Weiterentwicklung derselben als „I had a dream“ im Circus Hotel Berlin und im Hotel Chelsea Köln, wo er Menschen direkt nach dem Aufwachen in ihrem Hotelzimmer photographierte. Für seine Serie „Spiegel.Bilder“ hat er eine Form der Camera obscura mit semipermeablem Spiegel entwickelt die es ihm erlaubt, Menschen beim Blick in den Spiegel zu photographieren.

https://derwilde.eu/

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